Umstellungen, «die sich gewaschen haben»
Die Leiterin des Marktfelds «Energie- und Klimaschutz» der Basler Prognos AG, Dr. Almut Kirchner, konnte sich nach ihren Worten nicht über einen Mangel an Szenarien beklagen. Einmal seien innerhalb von zwei Monaten deren 62 in die Diskussion geworfen worden. Ein gutes Beispiel für die turbulente Diskussion sei Deutschland: Nach dem Ausstieg aus der Kernenergie habe man vor wenigen Jahren den Ausstieg aus dem Ausstieg diskutiert, und nun gehe es in unserem Nachbarland «um den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg». Für die Schweiz sei klar: Der Verzicht auf Nuklearenergie verschärfe das Problem, «aber nur ein bisschen».
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| Almut Kirchner: «Die gute Nachricht ist: es geht!» |
Die Physikerin nannte alle wichtigen Wirkungsfaktoren in der aktuellen Diskussion der Energiesystemstrategien und verhehlte dabei nicht, dass auch ihr letztlich nicht klar sei, was denn die 2000-Watt-Gesellschaft letztlich bedeute. Wir befänden uns auf jeden Fall in einem energiewirtschaftlichen Zieldreieck zwischen Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit. Anhand verschiedener Grafiken erläuterte sie die Gewichte bei den Energieträgern, dem Stromverbrauch und der Bevölkerungsentwicklung. Ihr Fazit: Ein Alleingang der Schweiz in den Energiefragen komme nicht in Frage, Lösungen könnten nur im internationalen Kontext gefunden werden. Notwendige Voraussetzungen seien weiter eine beschleunigte Technologie-Umsetzung, Energieforschung sowie politische Instrumente mit hoher Eingriffstiefe. So müsse bis 2050 jedes Gebäude «noch ein- bis zweimal angefasst werden». Jeder müsse sich bei den anstehenden nötigen Umstellungen, «die sich gewaschen haben», beispielsweise fragen, ob er oder sie die Windmühle im eigenen Garten sehen und hören wolle. Wir müssten uns jedenfalls sehr anstrengen, aber die gute Nachricht sei: «Es geht!» Die Mobillität mit ihrem hohen Anteil an fossilen Brennstoffen müsse neu betrachtet werden, es gehe etwa bei Privatfahrzeugen letztlich um den Nutzen, nicht um deren materiellen Besitz. Bei den anstehenden Verteilungsfragen werde es Gewinner und auch Verlierer geben. Und Lenkungsabgaben, betonte Almut Kirchner, «müssen spürbar sein, sonst lenken sie nicht».
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